Nicht aufhören zu erinnern

Die Schulaula der Integrierten Gesamtschule (IGS) in Oppenheim war brechend voll, die Reihen bis auf den letzten Platz gefüllt. Still und leise lauschten die teilnehmenden Schülergruppen, Lehrer und Gäste den musikalischen Beiträgen der 5. und 6. Klasse, welche die Abschluss- präsentationen des Präventionsprojektes „Gewalt hat eine Geschichte“ einläuteten.

IGS-Schulleiter Siegfried Käufer begrüßte anschließend die zahlreich erschienen Gäste und freute sich über die rege Teilnahme der fünf beteiligten Schulen: Landskronschule Oppenheim, Carl-Zuckmeyer-Realschule plus Nierstein, Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim, Gymnasium Nackenheim und die diesjährige Gastgeberschule IGS Oppenheim. „Wir dürfen nicht aufhören zu erinnern“ so Käufer. Dieses Motto trage das Projekt und habe in den Schulen viel bewegt.

„Sich zu erinnern und nicht zu vergessen, eine neue Gedenkkultur zur Pogromnacht von 1938 zu entwickeln und dies in Schulen und Jugendverbänden zu verankern“, erklärt auch Jürgen Salewski, Leiter des Oppenheimer Jugendhauses, sei das übergeordnete Ziel des Gewaltpräventionsprojektes. „Es versteht sich als einen Baustein im Rahmen der Menschenrechtserziehung und richtet sich an Schulklassen, Jugend- oder Konfirmandengruppen, welche das Thema anspricht und die sich dazu engagieren möchten.“ Das Geschichtsprojekt besteht nun im dritten Jahr. Gemeinsame Kooperationspartner sind der Oppenheimer Geschichtsverein, das Jugendhaus Oppenheim in Trägerschaft des Evangelischen Dekanats und die Gedenkstätte KZ Osthofen. Schirmherr ist Herr Klaus Hagemann, ehemaliger MdB.

Blickt man auf die diversen Projektpräsentationen, spürt man, mit welch hohem Engagement und wie intensiv sich die Schülerinnen und Schüler mit den Themen Gewalt, Fremdenfeindlichkeit und Ausgrenzung auseinandergesetzt haben. Die Präsentationen waren so vielfältig wie die Schülergruppen selbst: ob szenisches Spiel, eine Ausarbeitung von Parallelen der Flüchtlingswelle nach dem 2. Weltkrieg mit der aktuellen Flüchtlingssituation, der Vorstellung von „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem Einspielen von Videobeiträgen oder dem Vortragen von Gedichten aus der Zeit des dritten Reiches – jeder einzelne Beitrag beeindruckte die Zuhörerinnen und Zuhörer im Saal. Denn in jedem Satz, in jedem Lied, in jeder Darstellung spürte man die Kraft, Aktualität und Brisanz der Beiträge. Für Projektkoordinatorin Johanna Stein ein Zeichen gelungener Friedenserziehung, eine besondere Koppelung von Geschichte und aktuellem Zeitgeschehen, die es in der schulischen wie außerschulischen Bildung nachhaltig zu verankern gilt.

„Erinnern und nicht vergessen“ ist bei den Schülerinnen und Schülern auch im Alltag angekommen. So berichteten Shalina (14) und Aksa (15), dass sie eine neue Mitschülerin in ihrer Klasse aufgenommen haben oder neue Jugendliche im Verein oder in der Nachbarschaft kennen lernen.

Parallel zur umfangreichen Ausstellung der Projektarbeiten der IGS konnten sich die verschiedenen Schulgruppen bei der Ausstellung „Versteckspiele“ über geheime Codes und Zeichen der neuen Faschisten in der Schulaula informieren. Die Ausstellung organisierte und begleitete Wilfried Rumpf, Dekanatsjugendreferent im Evangelischen Dekanat Oppenheim. 

Abschließend wurde jede Projektgruppe mit einem besonderen Gutschein prämiert, denn es galt, jede Teilnahme gleichberechtigt zu ehren. Schon im Frühjahr geht das Projekt Gewalt hat eine Geschichte in eine neue und vierte Runde. Rechtzeitige Informationen hierzu finden hier auf der Internetseite des Jugendhauses oder beim Oppenheimer Geschichtsverein unter www.oppenheimer-geschichtsverein.de.