Gewalt hat eine Geschichte

Prävention - Blick in Geschichte und Gegenwart bei Projektpräsentation mit Preisverleihung an der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus in Nierstein: Im Rahmen des Präventionsprojekts „Gewalt hat eine Geschichte“ hatten acht Schüler- und Jugendgruppen herausragende Beiträge zur Gedenkarbeit eingereicht.

Bei der feierlichen Preisverleihung an der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus in Nierstein präsentierten sie ihre Projekte, mit Blick auf früher und heute. Schirmherr ist Klaus Hagemann, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Osthofen und ehemaliger MdB. Bei der diesjährigen Projektausschreibung beteiligten sich die Integrierte Gesamtschule Oppenheim (IGS), die Landskronschule Oppenheim, das Gymnasium Nackenheim und das Gymnasium zu St. Katharinen Oppenheim und die Gastgeberschule Carl-Zuckmayer-Realschule Plus Nierstein.

Gewalt löst keine Probleme

Die Vergangenheit verstehen, um aus ihr für die Zukunft zu lernen: Wie ein roter Faden zog sich dieser Gedanke durch die Präsentation der beeindruckenden Arbeiten aller Jugendgruppen. Musikalische Schülerbeiträge umrahmten das informative, zweistündige Programm, darunter das Stück „Gymnopedie“ von Satie, Pachelbels Kanon und das bewegende Lied „Mein Vater wird gesucht“. Ziel des Projektes ist es, eine neue Gedenkkultur zur Pogromnacht von 1938 zu entwickeln und diese in Schulen und Jugendverbänden zu verankern.

Dass Gewalt keine Probleme lösen kann, war Tenor der Redebeiträge von Konrektor Fabian Haunschild und Ursula Hartmann Graham, 2. Beigeordnete des Landkreises Mainz-Bingen, die zum Nachdenken anregten. Unerlässlich sei es, sich weiterhin an Geschehnisse in der Geschichte zu erinnern, betonte auch Helmar Richter, Präses im Evangelischen Dekanat Oppenheim, gerade mit Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Welt. Die Fäden der Organisation laufen zusammen bei Jürgen Salewski als Ansprechpartner des Jugendhauses und bei Johanna Stein als Mitglied des Oppenheimer Geschichtsvereins. Die frühere Lehrerin führte auch durch das abwechslungsreiche Programm der Präsentationen und verdeutlichte, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen, um Zusammenhänge besser zu verstehen und Erfahrungen zu nutzen.

Beeindruckende Beiträge zur Gedenkarbeit

So führte ein Besuch im Konzentrationslager Osthofen zum Nachdenken über die Gegenwart, so der gleichlautende Titel der Arbeit einer 10. Klasse der IGS Oppenheim. Von ihrem mehrtägigen Besuch in der Kriegsgräbergedenkstätte in Niederbronn berichteten junge Leute der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus, die die unvorstellbar hohen Zahlen der Opfer an einem Modell verdeutlichten. Mit Olympia 1936 als einem Akt der Propaganda hatte sich der Stammkurs Geschichte des Nackenheimer Gymnasiums befasst, intensiv recherchiert und daraus Fakten und Fotos für eine Dokumentation an Tafeln zusammengestellt.

Wo trifft man auch in unserer Region auf Spuren der Gewalt unter dem NS-Regime? Dieser Frage ging eine Religionsgruppe an der IGS Oppenheim nach, die sich mit Stolpersteinen in der Stadt beschäftigte und ein kleines Planspiel vorbereitet hatte: Namen von jüdischen Opfern wurden verlesen und eine Mauer zu einem Zeichen des Friedens umgeformt. Auf eine ähnliche Spurensuche hat sich eine Konfirmandengruppe der evangelischen Kirchengemeinde Oppenheim begeben, die sich unter der Leitung von Johanna Stein und Jürgen Salewski mit einem eigenen Projektbeitrag zum Thema „Stolpersteine erzählen Geschichte“ beteiligte. An zwei lehrreichen Nachmittagen beschäftigten sie sich vor allem mit dem Schicksal der Familie Spiegel, deren Sohn Walter zur eigenen Sicherheit außer Landes gebracht wurde und traurige Erfahrungen machen musste mit Einsamkeit und Ungewissheit, doch dadurch als Einziger überleben konnte. „Begegnung ist das beste Mittel gegen Vorurteile“, betonten die Konfirmanden und weiteten den Blick auf weiteres Unrecht. Ihr Bruder mit Down-Syndrom hätte diese schlimme Zeit wohl nicht überlebt, meinte ein Mädchen; auch weitere Schilderungen aus Briefen gingen ans Herz.

„Wir wollten doch nur spielen“: Mit dieser Kombination aus nachgespielten Schulszenen und Comics zeigte eine 9. Klasse der Landskronschule, wie Beleidigungen wirken und wie es auch anders gehen kann. „Gemeinsam gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“ hatte eine 9. Klasse der IGS als Motto gewählt. Sie zeigte per Video, dass vor Gott alle Menschen gleich sind und wie man einander verzeihen kann. Als dringende Bitte leitete sich daraus ab, auch die eigene Haltung und Sprache zu überprüfen, denn der Weg von verbaler zu körperlicher Gewalt sei oft kurz. Nicht wegzuschauen, wenn Menschen diskriminiert und verfolgt werden, war ein weiterer Appell.

Auch in anderen Beiträgen ging es um Hilfsbereitschaft, Respekt und Toleranz, um die Augen zu öffnen für die traurigen Schicksale Gleichaltriger aus Kriegs- und Krisengebieten. Durch die Situation in ihrem Land, während der Flucht und durch den Kulturschock hier seien viele aus dem seelischen Gleichgewicht geraten und fühlten sich ohnmächtig. Wie es gelingen kann, wieder mehr Positives zu sehen, spielerisch Kopf und Körper anzusprechen und auch den Zusammenhalt zu stärken, erlebte die AG „Schule ohne Rassismus / Schule mit Courage“ des Oppenheimer St. Katharinen Gymnasiums bei ihrer Arbeit mit Flüchtlingen. Als Antwort auf die Frage „Was schreibt unsere Zukunft“ fand eine Klasse der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus die Nächstenliebe.

Ehrung aller Jugendgruppen

Als Anerkennung für ihr herausragendes Engagement in vielfältiger Form überreichte der Schirmherr Klaus Hagemann Urkunden und kleine Preise für alle, bewusst ohne eine Platzierung vorzunehmen. Im nächsten Jahr wird es wieder eine Ausschreibung geben, an der sich das gesamte Dekanat mit den jeweiligen Jugendgruppen sowie die weiterführenden Schulen beteiligen können, informierte Jürgen Salewski und lädt herzlich ein, sich dabei zu engagieren. Rechtzeitige Informationen hierzu finden sich zeitnah hier auf der Homepage des Jugendhauses.

Kontakt
Jugendhaus Oppenheim, Jürgen Salewski (Leiter des Jugendhauses), Rheinstraße 43, 55276 Oppenheim, Telefon 06133 – 4188, info@jugendhaus-oppenheim.de

Spenden
Um das bedeutsame Projekt zu unterstützen, sind Spenden sehr willkommen an:
Evangelische Regionalverwaltung Rheinhessen mit dem Vermerk: für Jugendhaus Oppenheim
Sparkasse Worms-Alzey-Ried
Kto: 4008018
BLZ: 553 500 10
IBAN: DE57 5535 0010 0004 0080 18
BIC: MALADE51WOR

Hintergrund des Präventionsprojekts
Zum 78. Jahrestag der Pogromnacht 1938 hatten der Geschichtsverein Oppenheim, das Jugendhaus Oppenheim (Evangelisches Dekanat) und die Gedenkstätte KZ Osthofen das Jugendprojekt „Gewalt hat eine Geschichte“ ausgeschrieben, 2016 bereits zum vierten Mal. Unter der Schirmherrschaft von Klaus Hagemann, Vorsitzender des Fördervereins Gedenkstätte Osthofen und ehemaliger MdB, wurden Jugendliche aus der Region aufgefordert, sich mit dem Thema Gewalt, Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit damals und heute auseinanderzusetzen. Als Baustein im Rahmen der Menschenrechtserziehung richtet sich das Projekt an Schulklassen, Jugend- oder Konfirmandengruppen, die das Thema anspricht und die sich dazu engagieren möchten.