Dienheimer Konfis besuchen die Gedenkstätte KZ Osthofen

Auch in 2021 können sich Konfirmanden- und Schulgruppen in und um Oppenheim am Präventionsprojekt „Gewalt hat eine Geschichte“ mit einem eigenen Beitrag – ob Video, szenisches Spiel oder Fotodokumentation - beteiligen. Mit einem Besuch in der Gedenkstätte KZ Osthofen erlebte nun die Konfi-Gruppe der evangelischen Kirchengemeinden Dienheim eine kleine Zeitreise – ungewöhnlich still und doch mit vielen Fragen.

Ungewöhnlich still und nachdenklich, vor allem jedoch interessiert läuft die Konfirmandengruppe der evangelischen Kirchengemeinde Dienheim in den Eingangsbereich der Gedenkstätte KZ Osthofen. Empfangen werden die acht Jugendlichen von zwei pädagogischen Mitarbeiter*innen der Gedenkstätte, begleitet von Jürgen Salewski, Leiter des Oppenheimer Jugendhauses. Jetzt heißt es erst einmal: ankommen. Denn alleine die riesige Eingangshalle wirkt gleichzeitig beeindruckend wie einschüchternd auf die jungen Menschen. Rund drei Stunden sind für den Besuch eingeplant. Eine Einführung in die Grundlagen zur Geschichte des Konzentrationslagers Osthofen steht an diesen Tag ebenso ein Programm wie ein Außenrundgang über das Gelände des ehemaligen Lagers und ein Besuch der Dauerausstellung "Verfolgung und Widerstand in Rheinland-Pfalz 1933 - 1945".

Bereits im Vorfeld hatte sich die Konfirmandengruppe mit Simon Ahäuser, Pfarrer in Dienheim, zur Vorbereitung einige Videos über die NS-Zeit angeschaut. Und dennoch - trotz aller Vorbereitung - nahmen die Jugendlichen ganz persönliche Eindrücke aus der Begegnung mit der Gedenkstätte mit nach Hause.  "Wir wollen mit unserem Projekt die Erinnerung an die Verbrechen der Nazi-Zeit wachhalten", beschreibt Pädagoge Salewski ein Ziel des Präventionsprojektes, „und einen ‚Ort der Geschichte‘ besuchen, der eine persönliche Auseinandersetzung und einen emotionalen Zugang zum Thema ermöglicht – jenseits von Geschichtsbüchern.“ Rund eine Woche später, in der anschließenden Konfirmandenstunde, wurde intensiv über das Erlebte sowie über den Ort mit dessen Geschichte, der die jungen Menschen nachhaltig beeindruckte, diskutiert – v. a. über die beiden deutschen Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus, Willy Vogel und Max Tschornicki, denen die Flucht aus dem KZ Osthofen gelang und über das Thema Nationalsozialismus und Kirche.

Projektpräsentation am 12. November 2021

Verarbeitet werden können die Erlebnisse in der Gedenkstätte auf ganz unterschiedliche Weise - sei es als Fotodokumentation, als Video, inszeniert als kurze Theatersequenz oder in Form eines Interviews mit Zeitzeugen. Am Präventionsprojekt teilnehmen können Schulgruppen in und um Oppenheim sowie Konfirmandengruppen des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim bis zum 3. November. Präsentiert werden die einzelnen Beiträge am 12. November, in diesem Jahr in der Carl-Zuckmayer-Realschule Plus und Fachoberschule in Nierstein. Über die Sommermonate sind weitere Führungen mit Konfirmandengruppen des Dekanats geplant.

Video-Tipp: Eine Videodokumentation der Projektergebnisse aus 2020 findet sich auf dem YouTube-Kanal des Jugendhauses Oppenheim.

Infos zum Projekt: Jugendhaus Oppenheim (Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim), Rheinstraße 43, 55276 Oppenheim, Telefon: 06133 4188, E-Mail: info@jugendhaus-oppenheim.de, www.jugendhaus-oppenheim.de

Hintergrund „Gewalt hat eine Geschichte – Pogromnacht in unserer Region“
Seit mehr als neun Jahren engagieren sich die Projektkoordinatorin und ehemalige Lehrerin Johanna Stein (Oppenheimer Geschichtsverein e.V.) und der Leiter des Oppenheimer Jugendhauses in Trägerschaft des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim, Diplom-Pädagoge Jürgen Salewski, in Kooperation mit der Gedenkstätte KZ Osthofen zu diesem gesellschaftlich relevanten Thema. Durch das Projekt schaffen sie bei den teilnehmenden Jugend- und Konfirmandengruppen nicht nur eine inhaltliche Annäherung an die Zeit des Nazionalsozialismus, sondern ermöglichen über die Durchführung von Exkursionen zu Gedenkstätten oder von Projekttagen zum Thema „Stolpersteine“ in Oppenheim zudem eine persönliche Begegnung zu den Ereignissen in der Region. Schirmherr ist Klaus Hagemann.